04. Juli 2025·8 Min
Wie du entscheidest, ob eine Idee es wert ist, gebaut zu werden, bevor du sie baust
Ein praktischer Rahmen, um Nachfrage, Machbarkeit und ROI vor dem Bau zu testen. Lerne schnelle Experimente, Interviewfragen und klare Go/No-Go-Kriterien.
Definiere „es lohnt sich zu bauen" und die Entscheidung, die du treffen musst
Bevor du eine Idee bewertest, entscheide, was „es lohnt sich zu bauen" für dich bedeutet. Ansonsten sammelst du Fakten, die dir bei der Entscheidung nicht helfen.
Was „es lohnt sich zu bauen" bedeuten kann (wähle 1–2)
Verschiedene Teams verwenden denselben Ausdruck für sehr unterschiedliche Ergebnisse:
- Impact: Löst es ein schmerzhaftes Problem spürbar, spart Zeit oder verbessert Ergebnisse für Nutzer?
- Umsatz: Kann es realistisch ein kostenpflichtiges Produkt werden oder den Verkauf von etwas anderem antreiben?
- Lernen: Testet es eine kritische Annahme, die mehrere künftige Wetten freimacht?
- Mission-Fit: Stärkt es, wofür dein Unternehmen (oder du) bekannt sein möchte?
Schreibe deine Erfolgsdefinition in einem Satz auf (Beispiel: „Es lohnt sich zu bauen bedeutet, dass wir innerhalb von 90 Tagen nach dem Start 20 zahlende Kunden à 49 €/Monat gewinnen können").
Begeisterung von Belegen trennen
Enthusiasmus ist nützlich – er schafft Momentum – aber er ist kein Beweis. Teile dein Denken in zwei Spalten:
- Was wir wissen: direkte Beobachtungen, bestehende Kundenanfragen, messbares Verhalten.
- Was wir annehmen: Annahmen über Zahlungsbereitschaft, Dringlichkeit, Nutzungsfrequenz, Annahmegeschwindigkeit.
Dein Ziel ist nicht, alle Annahmen zu eliminieren; sondern zu identifizieren, welche Annahmen die Idee töten könnten, wenn sie falsch sind.
Definiere die Entscheidung, die du gerade triffst
Selten entscheidest du am ersten Tag „bauen oder nicht bauen“. Sei spezifisch:
- Erkunden: Signale sammeln und das Problem schärfen.
- Prototyp: Usability und Begehrlichkeit schnell testen.
- Bauen (MVP): Engineering-Zeit investieren, um zu liefern.
- Pause: Investitionen stoppen, bis ein Auslöser erscheint.
Setze ein Zeit- und Budget-Limit für die Validierung
Um endlose Recherche zu vermeiden, setze von vornherein Grenzen (z. B. „10 Interviews + 2 Experimente in 14 Tagen, max. 300 €“). Wenn die Idee unter vernünftigen Rahmenbedingungen keine Überzeugung erzeugen kann, ist das ebenfalls ein Signal.
Fang beim Problem an, nicht bei der Lösung
Die meisten Ideen wirken spannend, weil die Lösung lebhaft vor Augen steht: eine App, ein Feature, ein Workflow, ein neuer Service. Aber „es lohnt sich zu bauen" beginnt früher – auf der Problemebene. Ist das Problem vage, validierst du Meinungen über dein Konzept statt echte Nachfrage.
Schreibe eine ein-Satz-Problemstellung
Eine gute Problemstellung ist spezifisch, menschlich und beobachtbar. Nutze diese Vorlage:
„[Wer] hat Schwierigkeiten, [was zu tun], weil [Einschränkung/Ursache], was zu [Auswirkung] führt.“
Beispiel: „Inhaber kleiner Agenturen haben Schwierigkeiten, überfällige Rechnungen einzutreiben, weil Nachverfolgungen unangenehm und zeitaufwendig sind, was zu Cashflow-Lücken führt."
Wenn du das nicht in einem Satz formulieren kannst, hast du wahrscheinlich mehrere Probleme vermischt. Wähle eines aus.
Dokumentiere die aktuelle Notlösung
Jedes echte Problem hat bereits eine „Lösung", auch wenn sie unordentlich ist. Schreibe auf, was die Leute heute tun:
- Manueller Prozess (Tabellen, Kalendererinnerungen, Copy-Paste-Vorlagen)
- Ein Flickwerk von Tools (E-Mail + CRM + Notizen)
- Fremdvergabe (Assistenten, Auftragnehmer)
- Ignorieren (Verlust/Verzögerung akzeptieren)
Notlösungen sind Belege für Motivation – und helfen dir zu erkennen, worauf Leute bereit sind zu verzichten.
Benenne, was wehtut (in einfachen Worten)
Kläre den Schmerz, indem du ihn kategorisierst:
- Zeit: verschwendete Stunden, Kontextwechsel, wiederkehrende Admin-Aufgaben
- Geld: direkte Kosten, Leckagen, entgangene Einnahmen
- Risiko: Compliance, Fehler, Reputationsschäden
- Frustration: Stress, unangenehme Gespräche, sich festgefahren fühlen
- Verpasste Ergebnisse: langsameres Wachstum, Churn, verpasste Chancen
Das Ziel ist kein Drama; es ist messbarer Impact.
Liste die Annahmen, die wahr sein müssen
Bevor du etwas testest, schreibe deine „Must-be-true“-Annahmen auf:
- Das Problem tritt oft genug auf, um relevant zu sein.
- Die Betroffenen können entscheiden (oder Einfluss auf) einen Kauf ausüben.
- Die aktuelle Notlösung ist schmerzhaft genug, um gewechselt zu werden.
- Dein Ansatz kann eine klare Verbesserung liefern (schneller, günstiger, sicherer, einfacher).
Diese Annahmen werden zu deiner Validierungs-Checkliste – nicht zu deiner Wunschliste.
Identifiziere deine Zielnutzer und die Dringlichkeit
Wenn du die Personen, die dein Produkt nutzen würden, nicht benennen kannst, kannst du nicht unterscheiden, ob die Idee Nachfrage hat oder nur spannend wirkt.
Wähle eine primäre Persona (absichtlich eng)
Beginne mit einem einzelnen „Best-Fit“-Nutzer. Mach ihn spezifisch genug, dass du diese Woche 10 von ihnen finden könntest.
Definiere:
- Rolle: Wer sie sind (z. B. Office Manager, Agenturgründer, HR-Generalist)
- Kontext: Wo die Arbeit stattfindet (Remote-Team, regulierte Branche, Außendienst)
- Einschränkungen: Was sie limitiert (Budgetfreigaben, Zeit, Datenzugang, Compliance)
Eine enge Persona macht Messaging, Interviews und Experimente sauberer. Du kannst später erweitern.
Schätze die Zielgruppe mit groben Spannen ein
Verliere dich nicht in perfekten Zahlen. Nutze grobe Bereiche, um zu entscheiden, ob sich tiefere Arbeit lohnt:
- Winzig: einige wenige Organisationen oder Spezialisten
- Nischig: erkennbare Gruppe mit gemeinsamen Tools und Schmerz
- Breit: viele Rollen über viele Branchen
Eine winzige Zielgruppe kann großartig sein – wenn Dringlichkeit und Preismacht hoch sind.
Wo halten sie sich wirklich auf?
Liste 3–5 Orte, an denen du sie zuverlässig erreichst:
- Communities (Slack-Gruppen, Foren, Subreddits, Verbände)
- Tools, die sie bereits nutzen (Software-Ökosysteme, Marktplätze, Vorlagen)
- Workflows (wöchentliche Reports, Onboarding, Rechnungsstellung, Audits)
Wenn du sie nicht lokalisieren kannst, ist Distribution möglicherweise das eigentliche Risiko.
Erkenne Dringlichkeitssignale (Unterscheidung: „nett" vs. „notwendig")
Dringlichkeit zeigt sich durch:
- Deadlines: Monatsabschluss, Verlängerungen, Projektstarts
- Compliance: Prüfungen, regulatorische Anforderungen, rechtliche Risiken
- Umsatzwirkung: verlorene Deals, Churn, lange Sales-Zyklen
- Wiederholung: dieselbe schmerzhafte Aufgabe mehrfach pro Woche
Die besten frühen Kunden sind nicht nur interessiert – sie spüren Kosten beim Warten.
Scanne Alternativen und Konkurrenz, ohne zu überanalysieren
Wettbewerbsforschung ist nicht das Erstellen einer riesigen Tabelle. Es geht darum, eine Frage zu beantworten: Was nutzen Leute gerade, um dieses Problem zu lösen, und warum? Wenn du die Alternativen nicht benennen kannst, kannst du nicht erklären, warum deine Idee Aufmerksamkeit verdient.
Beginne mit „direkten" und „nichts tun"-Alternativen
Mache eine schnelle Liste in zwei Buckets:
- Direkte Konkurrenten: Produkte, die klar dasselbe Job-to-be-done beanspruchen.
- Indirekte Alternativen: Tabellen, E-Mail-Threads, Slack-Hacks, Agenturen, Vorlagen, jemanden einstellen oder das Problem einfach „aushalten".
Der zweite Bucket ist wichtig, weil „nichts tun" häufig gewinnt – nicht weil es großartig ist, sondern weil Wechselkosten höher erscheinen als der Schmerz.
Notiere, was Nutzer an Alternativen wirklich mögen und nicht mögen
Urteile nicht nach der Homepage. Schau, was Kunden sagen, wenn Geld und Frust im Spiel sind:
- Bewertungen (App-Stores, G2/Capterra, Foren, Reddit)
- Kündigungsgründe („gekündigt, weil…") und Onboarding-Hürden („zu kompliziert einzurichten")
- Verwirrung auf der Preisseite („ich weiß nicht, welchen Plan ich brauche")
Schreibe Muster in einfachen Worten auf. Beispiele: „braucht Wochen zur Implementierung“, „funktioniert, fühlt sich aber klobig an“, „Support antwortet nicht“, „integriert nicht mit unseren Tools“, „zu viele Funktionen, die wir nicht nutzen".
Erkenne Differenzierung, die zählt
Differenzierung ist nur nützlich, wenn sie eine Kaufentscheidung ändert. Häufig sinnvolle Kanten sind:
- Geschwindigkeit: schnelleres Setup, schnellere Ergebnisse, weniger Schritte
- Einfachheit: engerer Umfang, klarerer Workflow, weniger Admin
- Vertrauen: Compliance, Zuverlässigkeit, Support, Reputation, Prüfpfade
- Preis: günstiger bei gleichem Wert oder klarer und fairer Preis
- Integration: passt in die Tools, in denen Leute bereits leben
Entscheide: besser, günstiger oder anders
Wähle eine primäre Bahn:
- Besser: du übertriffst bei einer Kennzahl, die Nutzern wichtig ist.
- Günstiger: du gewinnst über Kosten, ohne neues Risiko zu schaffen.
- Anders: du fokussierst auf ein unterversorgtes Segment oder einen speziellen Anwendungsfall.
Wenn du deine Bahn nicht in einem Satz angeben und mit einer echten Beschwerde der Nutzer verbinden kannst – pause. Deine Validierungsarbeit sollte beweisen, dass diese Beschwerde häufig und schmerzhaft genug ist, um einen Wechsel auszulösen.
Führe schnelle Kundeninterviews, die echte Nachfrage offenbaren
Kundeninterviews sind der schnellste Weg zu erfahren, ob ein Problem real, häufig und schmerzhaft genug ist, dass Leute bereits Zeit oder Geld dafür aufwenden.
Wie du sie schnell rekrutierst und durchführst
Ziel: 5–15 Interviews mit Personen, die zur Zielpersona passen. Rekrutiere aus deinem Netzwerk, relevanten Communities, LinkedIn oder Kundenlisten. Halte Calls bei 20–30 Minuten und frage um Erlaubnis, aufzunehmen.
Während und nach den Interviews zeichne Muster auf, nicht Zitate. Du suchst keine einzelne clevere Aussage, sondern Wiederholung: derselbe Schmerz, dieselbe Notlösung, dieselbe Dringlichkeit.
10 Fragen, die sich auf vergangenes Verhalten (nicht Meinungen) konzentrieren
- „Erzählen Sie mir von der letzten Situation, in der Sie dieses Problem hatten. Was hat es ausgelöst?"
- „Was haben Sie unmittelbar danach getan?"
- „Welche Tools oder Personen haben Sie zur Bewältigung eingesetzt?"
- „Wie oft ist das im letzten Monat/Quartal vorgekommen?"
- „Was waren die Kosten (Zeit, Geld, Fehler, Stress) beim letzten Mal?"
- „Was haben Sie vorher versucht, das nicht funktioniert hat? Warum nicht?"
- „Wer ist noch beteiligt, wenn dieses Problem auftritt (Team, Manager, Anbieter)?"
- „Wie entscheiden Sie, ob das ‚schlimm genug‘ ist, um es zu beheben?"
- „Haben Sie jemals für eine Lösung bezahlt (Software, Auftragnehmer, internes Projekt)? Wie viel?"
- „Wenn Sie einen Zauberstab hätten: Wie würde ein besserer Prozess aussehen? Was würde gleich bleiben?"
Wie echte Nachfrage klingt
Achte auf Willingness-to-pay-Signale: bestehende Ausgaben, Budgetposten, einen bekannten Genehmigungsprozess oder ein klares „wir zahlen bereits X für Y, aber es versagt, wenn…". Notiere auch Dringlichkeit: Deadlines, Umsatzwirkung, Compliance-Risiken oder wiederkehrender operativer Schmerz.
Rote Flaggen, die du ernst nehmen solltest
Sei vorsichtig bei höflichem Interesse („klingt cool"), vaghem Schmerz („es ist irgendwie nervig") oder „ich würde es nutzen" ohne ein aktuelles Beispiel. Wenn Leute sich nicht an das letzte Mal erinnern können, ist es meist nicht prioritär.
Validere Nachfrage mit kostengünstigen Experimenten
Ohne Angst iterieren
Experimentiere schnell und setze Änderungen zurück, wenn sie Aktivierung oder Onboarding verschlechtern.
Du brauchst kein fertiges Produkt, um zu lernen, ob Leute auftauchen. Ziel ist, Verhalten zu testen, nicht Meinungen: Klicks, Anmeldungen, Antworten, Vorbestellungen oder Kalenderbuchungen.
Starte mit dem kleinstmöglichen testbaren Versprechen
Bevor du ein Experiment startest, schreibe einen Satz, der spezifisch genug ist, um widerlegt zu werden:
- Ergebnis: Was sich für den Nutzer ändert?
- Zeit: Wie schnell erreichen sie das Ergebnis?
- Zielgruppe: Für wen ist es (und für wen nicht)?
Beispiel: „Freiberuflichen Designern helfen, in unter 2 Minuten kundenfertige Rechnungen zu erstellen, ohne Tabellen."
Starte eine einfache Landingpage
Erstelle eine einzelne Seite, die widerspiegelt, wie du es später verkaufen würdest:
- Klarer Value Proposition (das obige Versprechen)
- 3–5 Anwendungsfälle (keine Feature-Listen)
- Platzhalter für Social Proof („Tritt der Early-Access-Liste bei") statt gefälschter Testimonials
- Ein primärer CTA: „Early Access anfragen" oder „Demo buchen"
Wenn du bereits eine Website hast, ziehe eine separate Seite wie /early-access in Betracht, damit du sauber tracken kannst.
Bring Traffic und vergleiche Botschaften
Teste Messaging dort, wo deine Zielnutzer bereits sind: kleine Anzeigen, relevante Communities (wenn erlaubt) oder direkte Ansprache. Verfolge Konversionsraten nach Botschaft, nicht nur Gesamtsbesuche – eine Überschrift kann 3–5× besser performen als eine andere.
Nutze Smoke Tests ethisch
Ein Smoke Test ist ein „Kaufen"- oder „Trial starten"-Flow für etwas, das noch nicht gebaut ist. Sei transparent: kennzeichne es als „Early Access" und erkläre, was als Nächstes passiert (Warteliste, Interview, Pilot). Ziel ist, Absicht zu messen, ohne jemanden zu täuschen.
Schon 20–50 qualifizierte Besuche können viel verraten, wenn das Versprechen eng und die Zielgruppe passend ist.
Prüfe Monetarisierung und Preisbildung, bevor du baust
Ein Produkt kann ein echtes Problem lösen und trotzdem scheitern, wenn niemand dafür zahlen kann oder will. Bevor du in den Bau investierst, kläre, wie Geld fließen würde und wer die Ausgabe genehmigt.
Liste mögliche Einnahmequellen
Beginne breit, dann engere Auswahl. Übliche Optionen:
- Abonnement (monatlich/jährlich)
- Nutzungsbasiert (pro Nutzer, Transaktion, API-Call)
- Einmaliger Kauf (Lizenz oder Lifetime-Zugang)
- Services (Setup, Implementierung, Training)
- Performance/Provision (Prozentsatz des Ergebnisses)
- Lizenzierung/White-Label (an andere Unternehmen zum Wiederverkauf)
- Marktplatz-Gebühren (Take-Rate bei Matching)
Wenn der einzige plausible Weg „wir monetarisieren später" ist, behandle das als Risiko, das du jetzt lösen musst.
Wähle ein primäres Modell zum Testen
Wähle ein Modell für die Validierung, auch wenn du erwartest, dass es sich ändert. Das hält Messaging und Experimente fokussiert. Frage: Erwartet dein Käufer vorhersehbare Rechnungen (Subscription) oder skaliert der Wert mit Volumen (Nutzung)?
Schätze eine Preisspanne mit einfachen Ankern
Du brauchst keine perfekte Preisfindung – nur eine glaubwürdige Spanne.
- Konkurrenzpreise: Was verlangen Alternativen heute?
- ROI/Wert: Was spart oder verdient deine Lösung? Preis sollte ein kleiner Bruchteil davon sein.
- Budget-Eigner: Wer unterschreibt (Teamlead, Director, Finance)? Deren üblicher Diskretionär-Budgetrahmen ist wichtig.
Führe einen leichten Preistest durch
Teste Zahlungsbereitschaft bevor du baust.
- Erstelle eine Landingpage mit zwei oder drei Preisstufen und tracke, welcher am meisten „Start"-Klicks erhält.
- Oder sperre Zugang hinter „Termine buchen" mit einem angegebenen Preis („Pläne ab X €/Monat"). Wenn qualifizierte Personen trotzdem buchen, bist du näher an echter Nachfrage.
Wenn das Interesse oberhalb eines sehr niedrigen Preises zusammenbricht, hast du vermutlich ein Nice-to-Have-Problem – oder du zielst auf den falschen Käufer.
Beurteile Machbarkeit und versteckte Komplexität
Auf Mobilgeräten validieren
Teste die Nachfrage mit einer Flutter‑App, wenn deine Nutzer auf Smartphones sind.
Eine vielversprechende Idee kann trotz allem scheitern, wenn sie schwerer zu bauen oder zu betreiben ist, als sie scheint. Dieser Schritt verwandelt „wir denken, wir können" in eine klare Liste bekannter Dinge, Unbekannter und dem schnellsten Weg, Risiken zu reduzieren.
Kläre den Job und was du tatsächlich auslieferst
Beginne mit dem Job-to-be-done in einem Satz: Was versuchen Nutzer zu erreichen und wie sieht „fertig" aus?
Dann entwerfe eine einfache Feature-Liste in zwei Buckets:
- Must-have (MVP): die kleinste Menge, die den Job Ende-zu-Ende abschließt
- Nice-to-have: hilfreich, aber nicht erforderlich, um Nachfrage zu beweisen oder das Kernresultat zu liefern
Das hält Machbarkeitsdiskussionen geerdet. Du bewertest das MVP, nicht das spätere „Traumprodukt".
Grobe Machbarkeit: Unbekanntes und Abhängigkeiten
Mache einen schnellen technischen Scan und schreibe explizit auf, was unsicher ist:
- Unbekanntes: neue Technologien, unklare Datenqualität, Edge-Cases, Genauigkeitsanforderungen
- Abhängigkeiten: Anbieter, Drittanbieter-APIs, App Stores, interne Teams, Altsysteme
Wenn eine einzelne Abhängigkeit den Launch blockieren kann (z. B. eine Integration, die du nicht kontrollierst), behandle sie als erstklassiges Risiko.
Einschränkungen, die den Umfang still vergrößern
Versteckte Komplexität findet sich oft in Einschränkungen, die man spät entdeckt:
- Daten: Herkunft, Eigentum, Aktualität und wie du fehlerhafte Datensätze korrigierst
- Integrationen: Authentifizierung, Rate-Limits, Versionsänderungen, Fehlerbehandlung
- Sicherheit & Datenschutz: Umgang mit PII, Verschlüsselung, Zugriffskontrollen, Audit-Logs
- Compliance: DSGVO, SOC 2, HIPAA/PCI (falls relevant)
- Performance: Antwortzeiten, Spitzenlast, Background-Jobs, Zuverlässigkeitserwartungen
Entkräfte die größte technische Frage mit einem Spike
Wähle die riskanteste Annahme und führe ein zeitbegrenztes Prototyping/Spike (1–3 Tage) durch, um sie zu beantworten. Beispiele:
- Können wir zuverlässig Daten aus der API in benötigtem Volumen ziehen?
- Erreichen wir akzeptable Latenz mit dem gewählten Ansatz?
- Können wir Sicherheitsanforderungen erfüllen, ohne die Architektur neu zu designen?
Das Ergebnis sollte eine kurze Notiz sein: was funktionierte, was nicht und was das für MVP-Umfang und Zeitplan bedeutet.
Tipp: Wenn dein Engpass darin besteht, einen funktionsfähigen End-to-End-Prototyp vor Nutzern zu bekommen (nicht perfekter Code), ziehe eine No-/Low-Code- oder „vibe-coding"-Plattform in Betracht, z. B. Koder.ai, um schnell eine Web-App per Chat aufzusetzen, im „Planungsmodus" zu iterieren und den Source-Code später zu exportieren, falls die Signale ein volles Engineering rechtfertigen.
Setze Metriken, Schwellenwerte und einen einfachen Experiment-Plan
Validierung wird chaotisch, wenn du nicht im Voraus definierst, was „Erfolg" ist. Du interpretierst dann dieselben Ergebnisse je nach Verliebtheit in die Idee als „vielversprechend" oder „nicht genug".
Dieser Abschnitt zielt darauf ab, vorzuzusagen: Wähle die Metriken, die Mindestanforderung und einen leichtgewichtigen Plan, den du in Tagen – nicht Monaten – durchführen kannst.
Wähle 1–3 Erfolgsmessgrößen (und mache sie beobachtbar)
Wähle Metriken, die zeigen, was du tatsächlich beweisen willst. Übliche Optionen:
- Anmeldungen/Leads: „Heben Leute die Hand?"
- Aktivierung: „Erreichen sie das erste sinnvolle Ergebnis?" (z. B. Onboarding abschließen, erstes Projekt anlegen, Daten importieren)
- Retention: „Kommen sie zurück?" (wöchentliche aktive Nutzer, wiederkehrende Käufe, Nutzung nach 14/30 Tagen)
- Umsatz: „Zahlen sie?" (Bezahlkonversionen, Anzahlung, Vorbestellungen)
- Referral: „Empfehlen sie es weiter?" (Einladungen, Shares, Empfehlungen)
Vermeide Vanity-Metriken wie Impressionen, sofern sie nicht direkt eine Konversion unterstützen (z. B. Landingpage-Besuche → Anmelderate).
Setze die Go/No-Go-Schwelle, bevor du startest
Schreibe das minimale Ergebnis auf, das weiteres Bauen rechtfertigt. Beispiele:
- „Mindestens 40 qualifizierte Anmeldungen in 14 Tagen aus unserer Zielgruppe, mit 10 %, die einen Anruf buchen."
- „Mindestens 8 von 15 Interviewpartnern sagen, sie würden innerhalb von 30 Tagen wechseln."
- „Mindestens 5 bezahlte Vorbestellungen à 49 €/Monat (oder Anzahlung) von unabhängigen Interessenten."
Wenn du keine Schwelle im Voraus setzt, rationalisierst du schwache Signale leicht als ‚fast genug‘.
Erstelle einen einseitigen Experiment-Plan
Halte es einfach und teilbar:
- Hypothese: Was muss wahr sein? („Vollbeschäftigte Therapeuten zahlen für automatisierte Intake-Erinnerungen, weil No-Shows sie Geld kosten.")
- Methode: Landingpage + Ads, Concierge-Pilot, Vorbestellung, Webinar, Outbound-E-Mails – wähle eins.
- Stichprobengröße: Wie viele Personen/Ereignisse du brauchst (z. B. 200 Visits, 20 Gespräche, 10 Trials).
- Zeitraum: Ein fixer Zeitraum (7 Tage, 2 Wochen).
- Entscheidungsregel: Deine vordefinierte Schwelle und was du tust, wenn du sie verfehlst (Message iterieren, Segment wechseln oder stoppen).
Verfolge Erkenntnisse in einem Confidence-Log
Während des Experiments notiere kurz:
- Was du getestet hast (Message, Zielgruppe, Angebot)
- Was passiert ist (Zahlen + bemerkenswerte Zitate)
- Was deine Zuversicht verändert hat und warum
Das macht Validierung zur evidenten Spur – und erleichtert die nächste Entscheidung.
Karte Risiken und entscheide, was du zuerst entschärfst
Eine gute Idee kann trotzdem ein schlechtes Projekt sein, wenn sich die Risiken an den falschen Stellen stapeln. Bevor du mehr Zeit oder Geld investierst, kartiere die Risiken explizit und entscheide, was du zuerst lernen musst.
Beginne mit einem einfachen Risiko-Inventar
Erfasse die großen Risikokategorien, damit du dich nicht nur auf eine fokussierst:
- Marktrisiko: Leute kümmern sich nicht genug, Timing ist falsch, Budgets sind eingefroren
- Produktrisiko: Workflow wird missverstanden, Adoption zu schwer, Wert nicht offensichtlich
- Tech-Risiko: Performance, Integrationen, Datenqualität, Skalierbarkeit, Sicherheit
- Recht/Compliance-Risiko: Datenschutz, IP, regulierte Aussagen, Partnerverträge
- Operatives Risiko: Support-Aufwand, Onboarding, Erfüllung, Abhängigkeiten von Anbietern
- Reputationsrisiko: Vertrauensfragen, sensible Daten, Marken-Schäden bei Fehlern
Priorisiere nach Auswirkung und Wahrscheinlichkeit
Bewerte jedes Risiko mit Impact (1–5) und Likelihood (1–5). Multipliziere für einen schnellen Prioritätsscore.
Wähle dann die Top 3 Risiken, die du zuerst angehst. Bei zehn „mittleren" Risiken erreichst du nichts; eine Top-3-Auswahl schafft Fokus.
Wähle Maßnahmen, die die Wette verändern
Dein Ziel ist nicht, Risiko theoretisch zu managen – sondern den Plan so zu ändern, dass die riskantesten Annahmen günstig getestet werden.
Übliche Maßnahmen:
- Engerer Scope: einen Kern-Job-to-be-done liefern statt einer Suite
- Anderes Segment: mit Nutzern starten, die den Schmerz wöchentlich spüren (nicht „irgendwann")
- Anderer Kanal: statt teurer Ads Partner, Outbound oder Community ausprobieren
- Zunächst manuell: Concierge-Onboarding oder Human-in-the-loop statt vorzeitiger Automatisierung
Definiere, wie Scheitern aussieht (und entdecke es früh)
Schreibe klare Ausfallsignale, verbunden mit deinen Experimenten, z. B.:
- Weniger als X % der Zielnutzer stimmen einem Follow-up nach Interviews zu
- Niemand ist bereit zu vorbestellen / eine Anzahlung zu leisten / ein LOI zu unterschreiben
- Akquisitionskosten überschreiten die erwartete Marge um 2–3×
Wenn ein Failure-Signal ausgelöst wird, pivotest du die Annahme (Segment, Preis, Versprechen) oder stoppst. So schützt du deine Zeit – und hältst Validierung ehrlich.
Schätze Kosten und scope ein MVP, das du tatsächlich liefern kannst
Behalte den Quellcode
Wenn die Signale stark sind, nimm die komplette Codebasis und entwickle weiter.
Ein gutes MVP ist nicht „klein". Es ist fokussiert. Ziel ist, etwas zu liefern, das für eine konkrete Person einen bedeutenden Job erledigt – ohne ein ganzes Produkt-Universum drumherum zu bauen.
Beginne mit einem Kern-Job + einer Persona
Wähle einen Zielnutzer und formuliere das MVP-Versprechen klar: „Wenn [Persona] [Job] erledigen muss, kann sie das in [einfacher Weise] tun." Wenn du es nicht in einem Satz sagen kannst, ist der Umfang wahrscheinlich zu groß.
Ein schneller Scope-Filter:
- Must have: minimale Schritte, um das Ergebnis zu liefern
- Nice to have: macht es hübscher, schneller oder konfigurierbarer
- Später: Integrationen, Dashboards, Rollen/Berechtigungen, Automatisierungen und Einstellungsseiten
Schätze die Kosten (einschließlich Opportunitätskosten)
Kosten sind nicht nur Entwicklerzeit. Addiere:
- Bauzeit: Design, Engineering, QA, Projektmanagement
- Cash-Kosten: Tools, APIs, Auftragnehmer, Recht/Compliance falls relevant
- Laufende Zeit: Bugfixes, kleine Verbesserungen, Kundensupport
- Opportunitätskosten: was du nicht machst, wenn du dieses Projekt wählst (anderes Feature, anderer Kunde, Sales-Push)
Wenn das MVP Monate Arbeit braucht, bevor irgendein Lernen oder Umsatz entsteht, ist das ein Warnsignal – außer der Upside ist außergewöhnlich klar.
Überlege: bauen vs. kaufen vs. partnern vs. manuell
Bevor du code schreibst, frage: Was bringt dich am schnellsten zum Lernen?
- Kaufen: bestehende Software, Templates, No-Code-Tools
- Partnern: jemand mit Distribution oder Infrastruktur
- Manuell/Concierge: Ergebnis von Hand liefern (E-Mails, Tabellen, Done-for-you-Service)
In manchen Fällen ist ein Mittelweg am schnellsten: ein Tool nutzen, das schnell eine funktionale App erzeugt, sodass du Workflow und Onboarding validieren kannst, ohne dich auf einen Full-Build festzulegen. Zum Beispiel kann Koder.ai dir helfen, ein React + Go + PostgreSQL MVP per Chat zu erstellen, schnell zu iterieren und den Code später zu exportieren.
Wenn Kunden nicht für die manuelle Version zahlen, wird Software das vermutlich auch nicht ändern.
Vergiss Onboarding und Support nicht
Frühe Versionen scheitern, weil Nutzer sie nicht verstehen. Plane Zeit für ein einfaches Onboarding, klare Anweisungen und einen Support-Kanal ein. Oft ist das die eigentliche Arbeitslast – mehr als das Feature selbst.
Triff die Entscheidung: bauen, weitere Validierung oder aufgeben
Irgendwann hilft mehr Forschung nicht mehr. Du brauchst eine klare Entscheidung, die du deinem Team (oder dir selbst) erklären und sofort umsetzen kannst.
Nutze eine einfache Entscheidungsmatrix
Bewerte jede Kategorie 1–5 basierend auf den gesammelten Belegen (Interviews, Experimente, Preistests, Machbarkeitschecks). Halte es schnell – es geht um Klarheit, nicht Perfektion.
| Kategorie | Was ‚5‘ bedeutet |
|---|
| Evidenzscore | Mehrere Signale stimmen überein: Nutzer beschreiben denselben Schmerz, Experimente konvertieren, Preis wird nicht abgelehnt |
| Upside | Bedeutender Umsatz, Retention oder strategischer Wert, falls es funktioniert |
| Aufwand | Kleines MVP kann schnell mit Team und Tools geliefert werden |
| Risiko | Die größten Unbekannten sind bereits reduziert; verbleibende Risiken sind akzeptabel |
| Strategische Passung | Passt zu Audience, Marke, Distributionskanälen und langfristiger Richtung |
Füge eine kurze Notiz neben jede Bewertung („Warum wir eine 2 gegeben haben"). Diese Notizen sind wichtiger als die Zahl.
Definiere drei Ergebnisse (und wähle eines)
- Jetzt bauen: Scores sind stark und verbleibende Risiken sind normale Ausführungsrisiken.
- Noch einen Test durchführen: Eine zentrale Unsicherheit blockiert noch (typischerweise Nachfrage, Zahlungsbereitschaft oder Machbarkeit).
- Pause/kill: Belege sind schwach, Aufwand ist hoch oder es lenkt von höherem Impact ab.
Schreibe eine Entscheidungszusammenfassung (eine Seite)
Enthält:
- Was du gelernt hast: wichtigste Nutzer-Schmerzpunkte, stärkster Nachweis für Nachfrage, größte Einwände.
- Dein Entscheid: bauen / noch testen / pausieren.
- Was als Nächstes passiert: nächster Schritt, Verantwortlicher und Zeitplan (z. B. „Zweiwöchiger Preistest, Entscheidung bis 14. Mai").
Wenn du baust: verpflichtete 30/60/90-Tage-Plan
Halte es leichtgewichtig:
- Erste 30 Tage: MVP ausliefern, Schlüsselmetriken instrumentieren, erste Nutzer rekrutieren.
- 60 Tage: an Aktivierung und Retention arbeiten, Positionierung schärfen, wiederholbaren Akquisitionskanal validieren.
- 90 Tage: entscheiden, ob skaliert, pivotiert oder gestoppt wird, basierend auf vereinbarten Schwellenwerten.
Ziel ist nicht, „recht zu haben" – sondern eine Entscheidung mit klarer Begründung zu treffen und dann schnell aus realer Nutzung zu lernen.